Das HWG einfach erklärt – mit Praxisbeispielen, konkreten Formulierungen und einer Checkliste für deine Website, Flyer und Social Media.
1. Heilmittelwerbegesetz für Heilpraktiker: Die Grundlagen
Du willst deine Praxis bewerben – auf der Website, mit Flyern, auf Instagram. Aber du hast gehört, dass man als Heilpraktiker „aufpassen muss“. Die Unsicherheit ist verständlich, denn das Heilmittelwerbegesetz (HWG) reguliert, wie du für deine Leistungen werben darfst. Und Verstöße können teuer werden.
Das HWG – offiziell das „Gesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens“ – existiert seit 1965 und wurde zuletzt im Juli 2023 geändert. Es regelt die Werbung für Arzneimittel, Medizinprodukte und Behandlungsverfahren. Für Heilpraktiker ist es neben dem UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) die wichtigste rechtliche Grundlage für Marketing und Werbung.
HWG Bedeutung: Was fällt unter das Gesetz?
Alles, was öffentlich kommuniziert wird und auf die Bewerbung deiner Behandlungen oder Heilmittel abzielt: Website, Social-Media-Posts, Flyer, Praxisschild, Visitenkarten, Google Ads, Newsletter – sogar deine Profilbeschreibung auf Jameda oder Doctolib.
| ⚠️ Wichtige Unterscheidung Das HWG gilt NUR für öffentliche Kommunikation. Was du im persönlichen Behandlungsgespräch mit einem Patienten in der Praxis sagst, fällt nicht darunter. Du darfst einem Patienten sagen: „Das wird Ihnen helfen.“ – auf der Website wäre dieser Satz ein Verstoß. |
Fachkreise vs. Publikumswerbung
Das HWG unterscheidet zwischen Werbung gegenüber Fachkreisen (Ärzte, Apotheker, Heilpraktiker) und gegenüber Laien. Für Laien gelten deutlich strengere Regeln. Da dein Marketing sich an potenzielle Klienten richtet, gelten für dich die strengen Regeln der Publikumswerbung.
2. Was das HWG konkret verbietet
Hier wird es konkret. Diese Dinge darfst du in deiner öffentlichen Kommunikation nicht tun:
3. Was du als Heilpraktiker bewerben darfst
Die gute Nachricht: Das HWG verbietet nicht alles. Es verbietet irreführende und unseriöse Werbung. Sachliche, korrekte Information über deine Leistungen ist ausdrücklich erlaubt.
- Deine Behandlungsmethoden sachlich beschreiben (Akupunktur, Osteopathie, Phytotherapie etc.)
- Deine Qualifikationen, Ausbildungen und Spezialisierungen nennen
- Sprechzeiten, Kontaktdaten, Standort und Erreichbarkeit bewerben
- Echte Klientenbewertungen und Erfahrungsberichte verwenden
- Allgemeine Gesundheitsinformationen in Blogartikeln teilen
- Preise und Leistungsumfang transparent kommunizieren
- Auf wissenschaftliche Studien verweisen – wenn sie existieren und korrekt zitiert werden
| Du willst sicher werben – ohne ständig über das HWG nachzudenken? Wir bei Wolkenbrecher erstellen für Heilpraktiker und Therapeuten Websites und Marketing-Materialien, die von Anfang an HWG-konform sind. Rechtssichere Formulierungen sind Teil unseres Phase-1-Programms. |
4. HWG-konforme Werbung: So formulierst du richtig
Das Schwierigste am HWG ist die Grauzone. Hier sind konkrete Formulierungsbeispiele:
| Kanal | ❌ Verboten | ✅ Erlaubt |
| Website: Akupunktur | „Meine Akupunktur heilt chronische Rückenschmerzen“ | „Akupunktur kann zur Linderung von Rückenbeschwerden beitragen“ |
| Flyer: HP Psych | „Depression? Ich mache dich wieder glücklich!“ | „Begleitung bei depressiven Verstimmungen mit bewährten Verfahren“ |
| Google Ads | „Garantierte Schmerzfreiheit nach 3 Sitzungen“ | „Osteopathie bei Beschwerden des Bewegungsapparats“ |
| „Mein Coaching heilt Burnout“ | „Strategien zur Burnout-Prävention und Stressbewältigung“ | |
| Website allgemein | „100% Erfolgsquote“ | „Über 10 Jahre Erfahrung in der Naturheilkunde“ |
Die goldenen Regeln für HWG-konforme Texte
- „kann“ statt „wird“: „Kann unterstützen“ statt „wird heilen“.
- Prozess statt Ergebnis: „Ganzheitliche Behandlung bei Migräne“ statt „Migräne-frei dank Naturheilkunde“.
- Methode statt Wirkung: „Ich arbeite mit Akupunktur nach TCM“ statt „Akupunktur beseitigt Ihre Schmerzen“.
- Erfahrung statt Garantie: „15 Jahre Erfahrung“ statt „Garantierter Erfolg“.
5. Sonderfall Homöopathie und Fernbehandlung
Homöopathie: Keine Anwendungsgebiete bewerben
Für homöopathische Arzneimittel gilt laut §5 HWG ein besonderes Verbot: Du darfst nicht mit Anwendungsgebieten werben. „Arnica bei Gehirnerschütterung“ ist verboten. „Arnica – ein bewährtes Mittel der Homöopathie“ ist erlaubt.
Fernbehandlung: Gelockert, aber mit Grenzen
Das Verbot der Werbung für Fernbehandlungen wurde 2019 gelockert. Online-Beratungsgespräche darfst du bewerben, sofern eine vorherige Untersuchung stattgefunden hat oder fachlich nicht erforderlich ist. Ferndiagnosen und Fernheilung bleiben verboten.
6. Abmahnung wegen HWG-Verstoß: Risiken und Kosten
Verstöße gegen das HWG sind kein Kavaliersdelikt. Das HWG ist eine Marktverhaltensregel im Sinne des UWG – jeder Konkurrent und jeder Verband kann dich abmahnen.
Typische Kosten: Anwaltskosten ab ca. 800–1.500€ bei Erstabmahnung. Strafbewehrte Unterlassungserklärung mit Vertragsstrafe bei erneutem Verstoß (oft 5.000€+). Bei schweren Verstößen Bußgelder bis zu 50.000€.
| ⚠️ Besonders gefährdet Heilpraktiker mit Google Ads sind besonders exponiert – Anzeigentexte mit Heilversprechen werden schnell entdeckt. Auch Instagram-Posts und Website-Texte werden systematisch geprüft. |
7. Checkliste: Ist meine Werbung HWG-konform?
Prüfe jeden Text, Flyer und Social-Media-Post vor Veröffentlichung:
- Enthält mein Text ein Heilversprechen oder eine Erfolgsgarantie? → Streichen.
- Suggeriere ich, dass ohne meine Behandlung Erkrankung droht? → Streichen.
- Bewerbe ich Homöopathika mit Anwendungsgebieten? → Umformulieren.
- Verwende ich Vorher-Nachher-Bilder für ästhetische Eingriffe? → Entfernen.
- Zitiere ich Studien, die nicht existieren? → Entfernen.
- Formuliere ich mit „kann unterstützen“ statt „wird heilen“? → Gut.
- Beschreibe ich meine Methoden sachlich? → Gut.
- Sind Qualifikationen korrekt angegeben? → Gut.
- Fachanwalt hat geprüft? → Ideal.
Tipp: Eine einmalige Prüfung durch einen Fachanwalt kostet 200–500€ – deutlich weniger als eine Abmahnung. Spezialisierte Anwälte findest du beim Deutschen Anwaltverein.
8. Häufige Fragen zum Heilmittelwerbegesetz
Was darf ich als Heilpraktiker bewerben?
Gilt das HWG auch für Social Media?
Darf ich mit Patientenbewertungen werben?
Was passiert bei einem HWG-Verstoß?
Darf ich als HP Psych mit „Psychotherapie“ werben?
Was ist der Unterschied zwischen HWG und UWG?
| Rechtssicher werben – von Anfang anWolkenbrecher erstellt für Heilpraktiker, Therapeuten und Coaches Websites und Marketing-Materialien, die HWG-konform sind. Wir wissen, welche Formulierungen funktionieren – und welche Probleme machen.Unser Weg: Positionierung & Website (Phase 1) → Klientengewinnung (Phase 2)Lass uns reden: wolkenbrecher.de/kontakt |
0 Kommentare